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Der sichersten Dinge sicherstes ist der Zweifel.

Der franz. Philosoph und Moralist
François de La Mothe le Vayer
(1588-1672)
(gefunden bei Friedrich Hagen)

Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig.

Der österr. Arzt und Tiefenpsychologe
Sigmund Freud (1856-1939)
(gefunden bei Norbert Hoerster)

Judentum und Christentum sind die Verewigung einer frühen Theologie.

Der Philosoph und Schriftsteller
Gerhard Szczesny (1918-2002)

Die Kirchen haben soviel Angst davor, den christlichen Glauben im Licht der modernen Welt und der Bibelforschung neu zu überdenken, dass ihr Gerede über Jesus und das "Heil" peinlich zu werden beginnt – sowohl für diejenigen, die sprechen, als auch für diejenigen, die ihr Bestes tun, höflich zuzuhören.

Der brit. Autor und kath. Theologe
Peter de Rosa (*1932)


 
 

Glossar und Anmerkungen

 

Ablass (nach Bernd Moeller): Von kirchlicher Autorität gewährte Nachlassung zeitlicher Sündenstrafe vor Gott.
(s. auch hier)

Anmerkung
Gebräuchlich vor allem in Theologie und Praxis der römischen Konfession.


Adoptianische Christologie lat.: Der Mensch Jesus wird von Gott zum Sohn erklärt.


Agnostizismus (nach Bernd Moeller): Ablehnung der Möglichkeit, eine transzendentale Wirklichkeit erkennen zu können; Forderung, auf das Transzendente keine Behauptungen anzuwenden.
(s. auch hier)


Apologet (Duden) gr.: Verfechter, Verteidiger.


Apologie (Duden): Verteidigung; Verteidigungsrede, -schrift.


Gottfried ARNOLD (1666-1714): (s. auch hier)
In seinem Werk Gottfried Arnolds unpartheyische Kirchen- und Ketzer-Historien von 1699/1700 schreibt er im Vierten Buch – Von den merk-würdigsten Kirchengeschichten im vierten Jahrhundert – im 7. Kapitel, §25, über den Gewissenszwang nach dem Konzil von Nicäa (325):

"Das allergefährlichste war hierbei der grausame Gewissenszwang, den Konstantin auf Anstiften der Klerisei vornahm. Indem diese nicht mehr mit den Gründen der Heiligen Schrift und mit sanftmütiger, nachdrücklicher Überzeugung der Gemüter die Leute zu ihren Meinungen bringen wollte, sondern mit gewaltsamer Hand, mit Feuer und Schwert zwang und die, so sich weigerten, verfolgte. Denn zu geschweigen, dass man da – andern zur Nachfolge – neue Glaubensformeln auf die Bahn brachte, so hatten sie mit ihren neuen Schriften und Finten den armen Kaiser auch bezaubert, als wenn Gott selber alles getan und geredet hätte, was das Konzil abfasste, wie die Autoren sich nicht scheuen zu bekennen. Er jagte nicht allein viele aus dem Land, die die Klerisei nicht leiden wollte, sondern drohte auch den andern, die sich nicht in allem bequemen würden, mit scharfen Expressionen die Landesverweisung und andere schwere Strafen an. Die Bücher der anderen Partei befahl er ernstlich mit Feuer zun verbrennen, gleich als wenn damit die Meinungen aus den Herzen könnten verbannt werden  Ferner ließ er publizieren, dass, wer ein arianisches Buch verstecken und nicht alsbald öffentlich verbrennen würde, der solle am Leib und Leben gestraft und unverzüglich hingerichtet werden. Wer sich würde gelüsten lassen, die Arianer zu rekommendieren oder ihnen anzuhangen, der sollte durch den Henker vom Leben zum Tode gebracht werden. Dieses waren die grausamen und mehr als heidnischen Gesetze des Kaisers nach dem Konzil, dergleichen kein heidnischer Regent oder Priester jemals in Religionssachen leichtlich wird publiziert haben "


AT: Altes Testament.


Autodafé (nach Uta Ranke-Heinemann in Nein und Amen): "Beispiele für schwere Verbrechen aus religiösem Fanatismus, also im Kampf für das höchste Gut, sind Kreuzzüge, Inquisition, Ketzer- und Hexenverbrennung, heiliger Krieg. Autodafé (von dem spanischen und portugiesischen auto de fé = Akt des Glaubens, lateinisch actus fidei) ist das gemeinsame Wort für sowohl »Akt des Glaubens« als auch »Ketzerverbrennung«, also gewissermaßen die Schreckensbilanz des christlichen Glaubensaktes. Ein Autodafé wurde von der spanischen Inquisition in Gegenwart des Königs, des Hofstaats, des Adels und des hohen Klerus mit größtem Pomp vollstreckt.

Der Reformator Calvin ließ in seinem Genfer Gottesstaat – der Gottesstaat ist ebenso gefährlich wie der totalitäre Staat, denn der Gottesstaat ist ein totalitärer Staat – den spanischen Arzt Michael Servet am 27. Oktober 1553 lebendig verbrennen, weil dieser die Rede von der Dreifaltigkeit Gottes als »reines Fantasieprodukt und Hirngespinst« bezeichnet hatte. Und Melanchton (†1560), der Freund Luthers, schrieb am 14. Oktober 1554 einen Dankbrief an Calvin, voll Lob dafür, dass Calvin »diesen Gotteslästerer nach einem ordnungsgemäßen Prozess« habe hinrichten lassen.

Luther selbst war sieben Jahre vor Servets Verbrennung 1546 gestorben, hätte sich aber ähnlich geäußert. In Bezug auf Hexenverbrennung – die Hexen waren seit 1326 den Ketzern gleichgestellt – hatte Luther sich in seinen Tischreden folgendermaßen ausgedrückt: »Mit Hexen und Zauberinnen soll man keine Barmherzigkeit haben, ich wollte sie selber verbrennen.«

Der anglikanische Bischof Joseph Hall (†1656) meinte mit Recht: »Man ist seines Lebens dort sicherer, wo es gar keinen Glauben gibt, als dort, wo alles zur Sache des Glaubens gemacht wird.«"


Pierre BAYLE (1647-1706):

Bei Franz Buggle fand ich folgendes Zitat aus Schriften Bayle's:

»Wir sehen ... ein wirklich entsetzliches Zusammentreffen von zwei oder drei Momenten. Das erste ist die feierliche Bekanntmachung von Strafgesetzen gegen solche, die nicht gewisse Ansichten über religiöse Gegenstände hegen. () Das zweite Moment ist die strenge und oft sehr blutige Vollziehung dieser Gesetze in allen Fällen, die sich nur immer darboten; das dritte – das schrecklichste von allen – ist die Billigung und Beistimmung von seiten ... der meisten Gelehrten.
Ich wiederhole es: Dies ist das Schrecklichste, das wahrhaft Ungeheure. () Dies ist der höchste Grad der geistigen und moralischen Verdorbenheit, dass eine so wahnsinnige Lehre, eine Lehre, welche die Bestrafung eines Menschen rechtfertigt, der aus Gewissensgründen die Unterschrift einer Glaubensformel verweigert, sich in der christlichen Kirche mit fast allgemeinem Beifall von seiten der Lehrer ausgebreitet und sich ein solches Ansehen gegeben hat, dass man fast für einen Ketzer gilt, selbst unter den Protestanten, wenn man nur ein deutliches Wort zugunsten der Toleranz spricht«.


Die Bergpredigt – Matthäus Kapitel 5-7 (Auszüge), Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984 (s. auch Lk 6,17-49 Die Predigt auf dem Felde)

Die Seligpreisungen – Mt 5,3-12

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.
12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

Die sog. "Antithesen" – Mt 5,21-48

Vom Töten – Mt 5,21-22
21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. 22 Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.
[…]

Vom Ehebrechen Mt 5,27-28
27 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 20,14): »Du sollst nicht ehebrechen.«
28 Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
[…]

Von der Ehescheidung – Mt 5,31-32
31 Es ist auch gesagt (5. Mose 24,1): »Wer sich von seiner Frau scheidet, der soll ihr einen Scheidebrief geben.«
32 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe.

Vom Schwören Mt 5, 33-37
33 Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist (3. Mose 19,12; 4. Mose 30,3): »Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deinen Eid halten.«
34 Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron;
35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs.
36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen.
37 Eure Rede aber sei Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.

Vom Vergelten Mt 5,38-42
38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«
39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.
42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

Von der Feindesliebe Mt 5,43-49
43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (3. Mose 19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben« und deinen Feind hassen.
44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,
45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?
47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?
48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Textstellen mit verwandtem Inhalt im Alten Testament:

3. Mose 19,33-34
33 Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.
34 Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott.

2. Mose 23,4-5
4 Wenn du dem Rind oder Esel deines Feindes begegnest, die sich verirrt haben, so sollst du sie ihm wieder zuführen.
5 Wenn du den Esel deines Widersachers unter seiner Last liegen siehst, so lass ihn ja nicht im Stich, sondern hilf mit ihm zusammen dem Tier auf.

Vom Tun des göttlichen Willens – Mt 7,12 ("Goldene Regel")

12 Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.


Christologie, christologisch gr. (nach Bernd Moeller): Die dogmatische Lehre über Christus.


Christus der Richter (Auszug aus dem KKK):
1051 In seiner unsterblichen Seele erhält jeder Mensch gleich nach dem Tod durch Christus, den Richter der Lebenden und der Toten, in einem besonderen Gericht seine ewige Vergeltung.
[…]
1059 „Die hochheilige Römische Kirche glaubt fest und behauptet fest, dass ... am Tage des Gerichtes alle Menschen mit ihren Leibern vor dem Richterstuhl Christi erscheinen werden, um über ihre Taten Rechenschaft abzulegen“ (DS 859) [Vgl. DS 1549].


Deuteropaulinen, deuteropaulinisch (nach Gerd Theißen): wörtl. «nur an zweiter Stelle paulinisch». Bezeichnung für urchristliche Schriften, die zu Unrecht Paulus zugeschrieben wurden, aber im Bewusstsein geschrieben wurden, sein Erbe fortzuführen: 2Tess, Kol, Eph, 1/2Tim, Tit.


Doppelgebot der Liebe – Mt 22,35-40, Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984

Die Frage nach dem höchsten Gebot
[]
35 Und einer von ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte:
36 Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz?
37 Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« (5. Mose 6,5).
38 Dies ist das höchste und größte Gebot.
39 Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18).
40 In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Parallelen im Alten Testament:

5. Mose 6,4-5
4 Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein.
5 Und du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.

3. Mose 19,18
18 Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Herr.


EKD: Evangelische Kirche in Deutschland, Zusammenschluß der 22 weithin selbständigen lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen in der Bundesrepublik Deutschland. Von der Geamtbevölkerung gehörten Ende 2002 ca. 26,2 Millionen evangelische Christen den Landeskirchen mit ihren 16 356 rechtlich selbstständigen Kirchengemeinden an.
Zahlen aus 2008: ca. 24,5 Mio. Kirchenmitglieder in 15 471 Kirchengemeinden.
(s. auch hier)


Eschatologie, eschatologisch (nach Gerd Theißen): wörtl. «Lehre von den letzten Dingen» (eschatos = letztes). Vorstellungen von einem Ende der Welt oder einer grundsätzlichen Überwindung der bestehenden Welt werden «eschatologisch» genannt.
(s. auch hier)


Exegese, exegetisch gr. (nach Klaus-Peter Jörns): Meint heute die Erforschung der Entstehung und Bedeutung der einzelnen Schriften innerhalb des jüdischen und christlichen Teils der Bibel. Die bei der historisch-kritischen Erforschung benutzten wissenschaftlichen Instrumentarien werden auch in anderen Wissenschaften verwendet, die mit überlieferten Textsammlungen zu tun haben (Altertumswissenschaft, Rechtswissenschaft, Religionsgeschichte). Exeget (Duden): Bibelwissenschaftler.


Fanatismus (nach Uta Ranke-Heinemann in Nein und Amen): "Am gefährlichsten sind die Menschen in ihrer Hingabe an ein falsches Credo, in ihrem Fanatismus. Man spricht in diesem Zusammenhang von »religiösem Fanatismus«. Das ist jedoch eine Tautologie, d. h., das Gleiche wird in überflüssiger Weise zweimal gesagt – wie beim »weißen Schimmel« oder »runden Kreis«. Gemäß seiner Sprachwurzel ist nämlich jeder Fanatismus religiös. Fanatismus kommt von dem Wort fanum = das Heilige. Alles, was außerhalb des Heiligen liegt, ist das Profane. Fanatismus ist der Kampf für das Heilige, er ist die Geisteskrankheit der Frommen. In ihrem blinden Eifer für das höchste Gut, nämlich für Gott, übersehen sie die ihnen wie allen Menschen von Gott ins Herz einprogrammierte goldene Verhaltensregel, die lautet: Menschlichkeit und Barmherzigkeit."


giordano bruno stiftung (gbs): Anwort auf Frage 7. Sind die Religionen nicht notwendig für die Wertebildung?

"Es ist eine historisch unumstößliche Tatsache, dass die fundamentalen Rechte, die wir in modernen Rechtsstaaten genießen, überwiegend nicht den Religionen entstammen, sondern in einem erbitterten Emanzipationskampf gegen die Machtansprüche der Religionen durchgesetzt werden mussten. Viele Werte wie etwa Rationalität, individuelle Selbstbestimmung oder Demokratie, die uns heute selbstverständlich erscheinen, wurden bereits im antiken Griechenland und Rom entwickelt, verschwanden aber mit der Machtübernahme des Christentums fast ein Jahrtausend von der Bildfläche. Es bedurfte schon der Renaissance, einer Zeit, in der die antiken Schriften wieder entdeckt wurden, damit sich in Europa langsam wieder die Idee der individuellen Freiheit entfalten konnte.

Auch in der Neuzeit waren es vorwiegend religionskritische Menschen, die die Wertentwicklung (etwa die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Idee der sozialen Gerechtigkeit, die Gewährung von Meinungs- und Pressefreiheit, die Anerkennung sexueller Selbstbestimmungsrechte etc.) voranbrachten. Die Idee der menschenrechte beispielsweise wurde maßgeblich von dem Religionskritiker Thomas Paine forciert, während eine ganze Reihe von Päpsten dies als »unerträgliche Anmaßung« verdammte. Erst 1961 konnte sich Papst Johannes XXIII. zu einer gewundenen Anerkennung der Menschenrechte durchringen, jedoch hat der Vatikan als einziger Staat in Europa die »Europäische Menschenrechtskonvention« bis heute nicht ratifiziert. Nur ein Beispiel unter vielen, das zeigt, dass die Rede von den »christlichen Werten« einer genaueren Betrachtung nicht standhält."

Anmerkung
Der Text ist der gbs-Informationsschrift AUFKLÄRUNG im 21. Jahrhundert entnommen.


Johann Wolfgang von GOETHE (1749-1832) über Gottfried Arnold (1666-1714): "Einen großen Einfluss erfuhr ich dabei von einem wichtigen Buche, das mir in die Hände geriet, es war Arnolds »Kirchen- und Ketzergeschichte«. Dieser Mann ist nicht ein bloß reflektierender Historiker, sondern zugleich fromm und fühlend. Seine Gesinnungen stimmten sehr zu den meinigen, und was mich an seinem Werk besonders ergetzte, war, dass ich von manchen Ketzern, die man mir bisher als toll oder gottlos vorgestellt hatte, einen vorteilhaften Begriff erhielt."
(J. W. von Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, 2. Teil, 8. Buch)


GOLDENE REGEL: "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu".


Gleichnisse (Auswahl), Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984

Der barmherzige Samariter – Lukas 10,30a-35 (Lukanisches Sondergut)

Der barmherzige Samariter
30a Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen.
31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.
32 Desgleichen auch ein Levit; als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.
33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn;
34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.
35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Vom verlorenen Sohn – Lukas 15,11-32 (Lukanisches Sondergut)

Vom verlorenen Sohn
11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.
13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.
14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben
15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.
16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.
17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben und ich verderbe hier im Hunger!
18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.
19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße.
22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße
23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein!
24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte der Singen und Tanzen
26 und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre.
27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat.
28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn.
29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre.
30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.
31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allzeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein.
32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

Jesus und die Ehebrecherin – Johannes 7,53-8,11 ("geniale Fälschung")

Jesus und die Ehebrecherin
53 Und jeder ging heim.*
*Der Bericht 7,53-8,11 ist in den ältesten Textzeugen des Johannesevangeliums nicht enthalten.
8 Jesus aber ging zum Ölberg.
2 Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie.
3 Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte
4 und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden.
5 Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du?
6 Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. Aber Jesus bückte sich und schrieb auf die Erde.
7 Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.
8 Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
9 Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand.
10 Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt?
11 Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; gehe hin und sündige hinfort nicht mehr.


Gottebenbildlichkeit (nach Paulus): Wenn man der persönlichen Glaubensmeinung des Paulus folgte, wäre etwa die Hälfte der Menschheit von der "Gottebenbildlichkeit" ausgeschlossen. Für Paulus gilt sie unbezweifelbar für Christus (2. Kor 4,4: »den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes.«), darüber hinaus allerdings nur für den männlichen Teil der Spezies Mensch (1. Kor 11,7: »Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz.«).

Paulus orientierte sich natürlich an der Schöpfungsgeschichte, die in den ersten Kapiteln des Alten Testaments überliefert ist. Dieser Mythos wird dort in den Kapiteln 1 und 2 des ersten Buches Mose (Genesis) in zwei unterschiedlichen Versionen angeboten. Über die Erschaffung des Menschen steht in 1. Mose 1,27: »Und Gott der Herr schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib.« Die im 2. Kapitel enthaltene zweite Version unterscheidet sehr konkret zwischen der Erschaffung des Menschen und der des »Weibes« (1. Mose 2,22): »Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.« – Paulus kam zu seiner Glaubensmeinung ganz offensichtlich durch eine geschickte gedankliche Verknüpfung beider Versionen.

Der sog. Apostel Paulus wird häufig als "erster Theologe der Christenheit" bezeichnet. Mir scheint, dass mit seiner Theologie jene verhängnisvolle Entwicklung begann, aus mythischen Vorstellungen einer archaischen Vergangenheit Glaubensmeinungen mit dogmatischem Charakter zu formen. Eine Entwicklung, die dann mit den Beschlüssen der berüchtigten "Räubersynoden" des 4. und 5. Jahrhunderts n. Chr. ihren Höhepunkt erreichte (s. hier). Die Ergebnisse dieser vor nahezu 2000 Jahren einsetzenden Fehlentwicklung sind bis heute die tragenden Säulen der diversen Theologien des organisierten Christentums.


Häresie, Häretiker (nach Peter L. Berger): "Das deutsche Wort »Häresie« geht zurück auf das griechische Verb hairein, das soviel wie »wählen« bedeutet. Eine Hairesis bedeutete ursprünglich ganz einfach, eine Wahl zu treffen. Eine davon abgeleitete Bedeutung ist die einer Meinung. Im Neuen Testament wie auch in den Paulus-Briefen hat das Wort bereits eine spezifisch religiöse Bedeutung, nämlich die einer Gruppe oder einer Partei innerhalb der größeren religiösen Gemeinschaft; das Grundprinzip einer solchen Gruppe oder Partei ist die bestimmte religiöse Meinung, die ihre Mitglieder sich gebildet oder gewählt haben. […]

Damit der Begriff der Häresie überhaupt irgendeine Bedeutung bekommen konnte, war die Autorität einer religiösen Tradition notwendige Voraussetzung. Nur im Hinblick auf eine solche Autorität konnte man überhaupt eine häretische Einstellung annehmen. Der Häretiker leugnete diese Autorität und lehnte es ab, die Tradition in toto zu akzeptieren. Stattdessen suchte und wählte er aus den Traditionsinhalten aus, und aus diesem Ausgesuchten und Ausgewählten bildete er sich seine eigene abweichende Meinung. Man sollte annehmen, dass die Möglichkeit der Häresie immer und allezeit in menschlichen Gemeinschaften bestanden hat, genauso wie man annehmen sollte, dass es immer Rebellen und Innovatoren gegeben hat. Und sicher müssen diejenigen, die die Autorität einer Tradition repräsentierten, sich immer mit dieser Möglichkeit herumgeplagt haben. Doch mit der Heraufkunft der Modernität hat sich der soziale Kontext dieses Phänomens radikal geändert: In prämodernen Situationen leben die Menschen in einer Welt religiöser Sicherheit, die gelegentlich durch häretische Abweichungen in Mitleidenschaft gezogen wird. Im Gegensatz dazu bildet die moderne Situation eine Welt der Unsicherheit, die gelegentlich durch mehr oder weniger brüchige Konstruktionen religiöser Affirmation abgewehrt wird. Tatsächlich lässt sich dieser Wandel noch weit schärfer formulieren: Für den prämodernen Menschen stellt die Häresie eine Möglichkeit dar, für gewöhnlich allerdings eine fernab gelegene; für den modernen Menschen wird Häresie typischerweise zur Notwendigkeit. Oder noch einmal, Modernität schafft eine neue Situation, in der Aussuchen und Auswählen zum Imperativ wird."
(s. auch hier)


Hierokratie; hierokratisch (Duden): Priesterherrschaft; die Hierokratie betreffend, auf ihr beruhend.


Hinrichtung Michael Servets (nach Walter Nigg): "Dem Gedächtnis der Menschheit hat sich der Vormittag des 27. Oktober 1553 unvergesslich eingeprägt, als ein schweigender Zug Servet zur Hinrichtung führte. Wilhelm Farel war eigens zu dem Zweck herbeigerufen worden, den Zweiundvierzigjährigen womöglich noch vor dem Tode zu bekehren. Unaufhörlich sprach der Neuenburger Reformator auf den Verurteilten ein, ohne das geringste Verständnis für den Vorgang zu bekunden, der sich jetzt in Servets Seele abspielte. Er war einzig darauf bedacht, von Servet das Eingeständnis seines theologischen Irrtums zu erhalten, ein erschütterndes Beispiel einer seelenlosen Seelsorge. Da Farel keine menschliche Teilnahme aufbrachte, würdigte ihn der nur noch still vor sich hin betende Servet zuletzt keiner Antwort mehr. Auf dem Richtplatz angelangt, ermahnte Farel die zuschauende Volksmenge: »Da seht ihr, welche Macht Satan besitzt, wenn er einen Menschen in seiner Gewalt hat. Dieser Mann ist ein Gelehrter von Ruf, und er glaubte vielleicht recht zu handeln. Nun aber besitzt ihn Satan, und euch könnte dasselbe widerfahren.« Als der Henker mit seiner Arbeit begann, flüsterte Servet mit bebender Stimme: »O Gott, O Gott!« In seiner Intriganz herrschte Farel ihn an: »Hast du nichts anderes zu sagen?« Servet erwiderte ihm noch: »Was könnte ich anderes tun, als von Gott sprechen!« Darauf wurde er auf den Scheiterhaufen gehoben, mit einer Kette an den Pfahl gebunden und auf sein Haupt als Leidenskrone ein mit Schwefel bestreuter Laubkranz gedrückt. Beim Anzünden des Holzstoßes entfuhr ihm ein gellender Schrei des Entsetzens. »Barmherzigkeit, Barmherzigkeit!« rief er mit spanischem Akzent. Über eine halbe Stunde dauerte der grauenhafte Todeskampf, da man noch halb grünes Holz genommen hatte, welches nur ein ungenügendes Feuer entwickelte. Durch Mark und Bein gehende Schreie stieß der sich in sinnlosen Qualen windende Mann aus, welche das umstehende Volk in einem erbleichenden Schrecken zusammenfahren ließ. »Jesus, du Sohn Gottes, erbarme dich meiner«, rief der Gemarterte noch aus den Flammen, damit bezeugend, dass er unverändert an seinem Glaubensbekenntnis bis zur letzten Stunde seines Lebens festhielt."


Hypostase gr. (nach Hauck/Schwinge): Grundlage (lat. Übers. -> substantia), Wesenheit; Verdinglichung bzw. Personifizierung eines -> Abstraktums od. Gedankens (z. B. die drei Hypostasen der -> Trinität).


Inkarnation lat. (nach Hauck/Schwinge): Fleischwerdung, Menschwerdung des -> Logos in Jesus (Joh1,14).


Judaisten, judaistisch (nach Gerd Theißen): Judenchristen, die im 1. Jh. n. Chr. darauf hin arbeiteten, dass alle Christen Juden werden und dazu Beschneidung und Speisegebote akzeptieren.


Judenchristliche Evangelien: Ebionitenevangelium, Hebräerevangelium, Nazaräerevangelium.


JULIAN Apostata, römischer Kaiser: Julian (331-363) war im 4. Jahrhundert, nach Celsus (2. Jh.) und Porphyrios (3. Jh.), einer der bedeutendsten Kritiker des frühen Christentums. Julian, ein Neffe Konstantins, war christlich erzogen worden, u. a. vom arianischen Bischof Eusebius von Nikomedia. Er hatte, wegen seines kindlichen Alters, die von hohen Militärs, nach dem Tode Konstantins im Jahr 337, unter dessen Verwandten durchgeführte "Säuberung" überlebt.

Im Jahr 361 bestieg er den römischen Kaiserthron. Er hatte sich schon vorher vom Christentum abgewandt. Nun wandte er sich offen den traditionellen römisch-griechischen (Mysterien-)Kulten zu und begann, die Macht des Christentums zu beschneiden. Von den Christen wurde er daher Julian Apostata, "Julian der Abtrünnige", genannt. Seine Bemühungen, das Christentum zurückzudrängen, blieben eine Episode, da er schon im Jahr 363 starb, und sein christlicher Nachfolger Jovian (331-364) den alten Zustand wiederherstellte.


Kanon (nach Gerd Theißen): wörtl. «Richtschnur, Maß»: Eine Sammlung von Schriften, die für eine religiöse Gemeinschaft normative Grundlage für Leben, Weltdeutung und Ethos ist. Im weiteren Sinne will jede mit religiösem Autoritätsanspruch auftretende Schrift «kanonisch» sein, im engeren Sinne aber sind erst Schriften, die in eine verbindliche Liste einer Religionsgemeinschaft aufgenommen wurden, kanonische Schriften.


Katechumene: frühchristl. Taufbewerber oder Taufschüler während der zwei- bis dreijährigen Vorbereitung auf die Taufe, durch die schließlich der Übertritt zum Christentum vollzogen wurde.


KKK (von der ersten Seite der offiziellen Publikation): Katechismus der Katholischen Kirche, 1992/93, franz. Paris 1992, dt. München u.a. 1993; lat.: Catechismus Catholicae Ecclesiae, Città del Vaticano 1997.


Klerisei gr.: altertüml. für Klerus, Gesamtheit der Angehörigen des Priesterstandes.


Konstantinische Wende (nach wikipedia): So wird ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Christentums bezeichnet, der durch die zwischen dem weströmischen Kaiser Konstantin (272/85-337) und dem oströmischen Kaiser Licinius (um 265-325) im Jahre 313 getroffene Mailänder Vereinbarung markiert wurde. Im weiteren Verlauf dieser Entwicklung gewann das Christentum im Römischen Reich zunehmend an Einfluss und wurde im Jahr 380 von Kaiser Theodosius I. (347-395) schließlich zur Staatsreligion erhoben. Durch die Konstantinische Wende wurde aus der staatlich diskriminierten und phasenweise blutig verfolgten orthodox-katholischen Kirche eine zunächst geduldete, dann rechtlich privilegierte Institution und am Ende die Reichskirche.

Anmerkung
Der Mailänder Vereinbarung ging das im Jahre 311 von Kaiser Galerius (um 250-311) erlassene Toleranzedikt von Nikomedia voraus, das die Christenverfolgung beendete.


Konzil von Nicäa, erstes: Das von Kaiser Konstantin (272/85-337) einberufene erste Konzil von Nicäa, das heute als erstes ökumenisches Konzil bezeichnet wird, fand im Jahre 325 statt. Konstantin sah die wachsende christliche Kirche als ein Instrument zum Ausbau und zur Festigung seiner eigenen Machtposition im Römischen Reich. Als es in dieser Kirche zu ernsthaften Auseinandersetzungen über Glaubensfragen kam, war es nur folgerichtig, dass er eingriff, um diese Streitigkeiten so rasch wie möglich zu beenden und damit einer möglichen gesellschaftlichen Destabilisierung vorzubeugen. Unter Konstantins Druck einigten sich die anwesenden Bischöfe auf das sog. "Nicänische Glaubensbekenntnis". Dieses Bekenntnis umfasst u. a. die "Festschreibung" der Gottnatur Jesu. Damit legte dieses Konzil den Grundstein für das Gebäude christlicher Dogmen. (s. auch hier)


Kopernikanische Wende: Hiermit bezeichnet man die vom Astronomen Nikolaus Kopernikus (1473-1543) eingeleitete Entwicklung der Auffassung, dass nicht die Erde der Zentralkörper des astronomischen Weltsystems sei, sondern die Sonne.
Das kopernikanische System, auch als heliozentrisches Weltbild bezeichnet, löste das bis dahin gültige, aus der Antike stammende, geozentrische bzw. Ptolemäische Weltbild ab. Bei Claudius Ptolemäus (um 100-175) befand sich die Erde unbeweglich im Mittelpunkt des Universums und wurde vom Mond, der Sonne und den Planeten umkreist.
Aus religionsideologischen Gründen vertrat die katholische Kirche in ihren Lehren die Vorstellung, dass damit auch der Mensch im Mittelpunkt des Universums stünde. Daher kämpfte sie verbissen für die Aufrechterhaltung des alten Weltbildes, was alle, die das heliozentrische System für plausibel hielten, in akute Lebensgefahr brachte.
Kopernikus ging in seinem System davon aus, dass sich die Himmelskörper auf Kreisbahnen um die Sonne bewegten. Er wusste, dass diese Annahme durch Beobachtungen nicht zufriedenstellend belegt werden konnte. Erst Johannes Kepler (1571-1630) fand heraus, dass die Planeten die Sonne auf elliptischen Bahnen umkreisten und korrigierte damit das kopernikanische System.

Anmerkungen
- Früher ging man davon aus, dass Kopernikus die Vorstellung des antiken Astronomen Aristarchos von Samos (um 310-230 v. Chr.) von einem heliozentrischen System kannte. Heute weiß man, dass dies nicht der Fall war.
- Giordano Bruno (1548-1600) ging über Kopernikus hinaus und erklärte die Sonne als einen Fixstern unter vielen anderen, um die ebenfalls Planeten kreisten. Er brach mit der Vorstellung, dass das Weltsytem an der "Sphäre der Fixsterne" endete. Für ihn erstreckte es sich vielmehr ins Unendliche. Für den "Himmel" oder das "Jenseits", die in den von der Kirche verbreiteten Glaubensmeinungen eine zentrale Rolle spielten, gab es keinen Platz mehr. Diese Auffassung trug dazu bei, dass die damaligen kirchlichen Machthaber in Rom Giordano Bruno im Jahre 1600 als Ketzer verurteilten und ihn auf dem Scheiterhaufen verbrannten.


Paul de LAGARDE – über Theologie: »Jeder, der die Wissenschaft kennt, weiß, dass sie ihren Zweck lediglich in sich hat, darum ihre Methode sich selbst sucht, und von keiner Macht im Himmel und auf Erden Vorschriften, Gesetze, Zielpunkte annimmt. Sie will wissen, nichts als wissen, und zwar nur um zu wissen. Sie weiß, dass sie nichts weiß, wo sie nicht bewiesen hat. Es ist jedem Manne in der Wissenschaft vollständig gleichgültig, was bei seinen Untersuchungen herauskommt, das heißt, wenn nur neue Wahrheiten entdeckt werden. Die Wissenschaft gestattet Jedem, die von ihr gefundenen Ergebnisse aufs neue zu prüfen, und wirft rückhaltlos fort, was eine solche Prüfung nicht besteht. Sie fordert von Jedem, der die zum Urteilen nötigen Vorkenntnisse hat, dass er das ihm bewiesene annehme und anerkenne, oder auf den Namen eines ehrlichen Mannes verzichte.
Man kann sich leicht überzeugen, dass diese Beschreibung der Wissenschaft auf die Disziplin, die wir in Deutschland Theologie nennen, unanwendbar, dass mithin die tatsächlich vorhandene Theologie eine Wissenschaft nicht ist.«


Legalismus: bezeichnet das theologische Konzept der "Werkgerechtigkeit".


Mosaische Unterscheidung (nach Jan Assmann): In einem wohl über Jahrtausende verlaufenen Prozess, der als "monotheistische Wende" beschrieben werden kann, hat sich der Monotheismus aus dem viel älteren Polytheismus entwickelt. Den Kernpunkt dieser Wende bezeichnet Assmann mit dem Begriff der "Mosaischen Unterscheidung". Wörtlich sagt er:

"Nicht die Unterscheidung zwischen dem Einen Gott und den vielen Göttern erscheint mir das Entscheidende, sondern die Unterscheidung zwischen wahr und falsch in der Religion, zwischen dem wahren Gott und den falschen Göttern, der wahren Lehre und den Irrlehren, zwischen Wissen und Unwissenheit, Glaube und Unglaube."


NT: Neues Testament.


Ontologie (von den griechischen Worten on und logos): Komplexe Lehre vom Sein, wichtiger Teilbereich der Philosophie, heute auch in der Informatik zur Beschreibung von Wissensbereichen und Begriffssystemen gebräuchlich.

In dem von Herbert Koch zitierten Kommentar ist von "zwei Ontologien" die Rede, also von (zwei) ganz unterschiedlichen Seins- bzw. Lebensformen, von (zwei) unterschiedlichen geistigen "Welten", die in vielen Teilaspekten im Widerspruch zu einander stehen und unvereinbar sind. Dass die Kirchen und ihre Theologen dennoch unbeirrt und wider besseres Wissen jede kritische Überprüfung ihrer "Welt" ablehnen, ist für viele Menschen die eigentliche "Zumutung".


Paränese, paränetisch (nach Gerd Theißen): wörtl. Ermunterung, Ermahnung. Ethische Belehrung in Form von aneinandergereihten Imperativen oder Mahnworten (Anm.: z. B. in der »Bergpredigt«).


Parusie (nach Gerd Theißen): wörtl. «Gegenwart» oder «Ankunft». Bezeichnet im NT die erwartete Ankunft (als Wiederkunft) Jesu, die am Anfang für die nächste Zeit erwartet wurde. Die Erfahrung, dass diese Ankunft Jesu ausblieb, wird «Parusieverzögerung» oder «Parusieenttäuschung» genannt.


Paulusbriefe (Auszüge aus den Einführungen zu den einzelnen unechten Briefen in der BIBEL in gerechter Sprache):

Brief an die Gemeinde in Ephesus
» von Anhängerinnen und Anhängern paulinischer Theologie an der Wende vom 1. zum 2. Jh. geschrieben. 
 von spekulativem Denken und meditativer Sprache geprägt.«

Brief an die Gemeinde in Kolossä
»Der Brief wurde von Freundinnen und Freunden des Paulus geschrieben, um die nach dessen Tod ausgelöste Krise zu überwinden und das Weiterleben paulinischer Gemeinden zu ermöglichen.«

An die Gemeinde in Thessaloniki: Zweiter Brief
»2 Thess stammt von anderen Verfassern als 1 Thess. Sie nennen sich auch Paulus, Timotheus und Silvanus, beteuern jedoch die angebliche Hauptautorenschaft des Paulus (2 Thess 3,17). Sie orientieren sich formal am 1 Thess, erklären diesen aber für gefälscht (2 Thess 2,2) und fügen ein Echtheitszeichen an (2 Thess 3,17).«

Anmerkung
Eine besonders dreiste Fälschung! Der Theologe Gerd Lüdemann (*1946) schreibt dazu in seinem Buch Die gröbste Fälschung des Neuen Testaments: "Die gröbste Fälschung ist der 2Thess, der in der Täuschungsabsicht fast völlig aufgeht. Sein Verfasser diffamiert einen anderen, echten Paulusbrief als Betrug und ahmt ihn zugleich nach, um ihn zu ersetzen. Er will in rein negativer Intention einen anderen Paulusbrief eliminieren und sein eigenes Schreiben an dessen Stelle in die kirchliche Literatur hineinschmuggeln."

An Timotheus: Erster Brief
(wahrscheinlich Mitte des 2. Jh. geschrieben)
»Der erste Brief an Timotheus wurde zusammen mit dem zweiten und dem Brief an Titus von einem unbekannten Verfasser oder Verfasserkreis im Namen des Paulus geschrieben.«


Perikope (nach Gerd Theißen): wörtl. «Abschnitt». Abschnitte aus der Bibel, die einer Auslegung oder einer Lesung zugrunde gelegt werden. In den Evangelien handelt es sich oft um ursprünglich selbständige «kleine Einheiten», die potenziell isoliert von andern tradiert werden können.


Pneuma, pneumatisch gr.: Geist (Gottes); geistgewirkt, geisterfüllt.


Pneumatologie, pneumatologisch gr.: Lehre vom Heiligen Geist.


Polytheismus gr.: Glaube an und Verehrung mehrerer Götter.


Pontifex: Der Pontifex war im römischen Reich ein sakraler Beamter (ungenau als Priester bezeichnet). Die Pontifices waren in einem Gremium, dem Collegium pontificum zusammengefasst. Das Pontifikalkollegium war diejenige Behörde, die für die Wahrnehmung aller Zeremonien und Opfer nach dem patrius ritus zuständig war. Ihnen fielen alle Aufgaben des regelmäßigen staatlichen Gottesdienstes zu, die nicht anderweitig besonders geordnet waren. Der Vorsteher des Kollegiums war der Pontifex Maximus.

Der Titel Pontifex Maximus (lat. für "oberster Brückenbauer") war ursprünglich dem obersten Wächter des altrömischen Götterkultes vorbehalten (s. o.). Er ging später auf die römischen Kaiser und schließlich auf die Päpste über.


Presbyter: urchristl. Gemeindeältester.


Prozesse im 18. Jahrhundert (exemplarisch): Die Theologin Uta Ranke-Heinemann beschreibt, welcher Strafe der bekannte französiche Autor Voltaire (1694-1778), ein wichtiger Vertreter der europäischen Aufklärung und Wegbereiter der Französischen Revolution, nur knapp entgangen war. Auf Betreiben eines Priesters aus der Nachbarschaft Voltaires kam es wegen einer vermeintlichen "Beleidigung des Kreuzes" beinahe zum Verhängnis:

"In Dijon kam es zum Prozess in dieser Sache. Voltaires Freund Tronchin gelang es jedoch, eine Verurteilung zu verhindern. Die Strafe für eine derartige Gotteslästerung war Herausschneiden der Zunge und Abhacken der Hände."

Voltaire setzte sich mehrfach für Angeklagte ein, die ähnlichen Beschuldigungen ausgesetzt waren. Die Schilderung eines dieser haarsträubenden Fälle findet sich ebenfalls bei Uta Ranke-Heinemann:

"1766 beschäftigte sich Voltaire mit dem Fall des 19jährigen Chevalier Jean FranÇois de La Barre (1747-66). Zu seinem großen Kummer gelang es ihm nicht zu verhindern, dass La Barre vom Tribunal Abbeville 1766 zum Tode verurteilt wurde. Er wurde gefoltert und enthauptet. Man verzichtete im letzten Moment darauf, ihm vor der Enthauptung die Zunge herauszuschneiden, wie es im Urteil vorgesehen war. Man verbrannte seinen Leichnam und mit dem Leichnam die Briefe über die Wunder und andere Schriften Voltaires, die man bei ihm gefunden hatte.

La Barre wurde vorgeworfen, dass er beim Vorbeiziehen einer Prozession nicht gegrüßt und dass er ein Kruzifix auf einer Brücke beschädigt habe. Nachgewiesen wurde ihm nur, dass er nicht den Hut gezogen und »anstößige Lieder« gesungen hatte."


Pseudepigraphie; Pseudepigraphen: wörtl. «Falschzuschreibung». Schriften, die unter falschem Namen publiziert oder verbreitet werden (Gerd Theißen); (Duden) Plur., Schriften aus der Antike, die einem Autor fälschlich zugeschrieben wurden.


rabies theologorum lat.: Wut, Besessenheit der Theologen.


revelatio generalis lat.: In der Theologie – Gottes allgemeine Offenbarung in den Werken der Schöpfung.


revelatio specialis lat.: In der Theologie – Gottes Offenbarung in Christus (zum Heil).


Römische Hierarchie: Gemeint ist hier die Gesamtheit der obersten Führungsschichten der frühen (katholischen) Kirche, bestehend aus dem Bischof von Rom und den von ihm abhängigen Kirchenführern.
Die Bezeichnung lässt sich unverändert auf die Leitung der heutigen römisch-katholischen Kirche mit ihrem Sitz im Vatikan übertragen. Ihr Oberhaupt trägt mittlerweile den Titel Papst (dieser Titel wurde wohl erstmals im Jahre 384 verwendet).


Theismus gr. (nach Hauck/Schwinge): Glaube an einen persönl., überweltl. Gott.


Theokratie gr. (nach Hauck/Schwinge): Gottesherrschaft, Verfassung, in der Gott als Herrscher gilt.


Transsubstantiation, transsubstantiieren lat.: T. bezeichnet die Lehre der katholischen Kirche von den Elementen im Abendmahl. Danach werden die Elemente Brot und Wein durch das Handeln des Priesters in ihrer Substanz real verwandelt in Leib und Blut Christi, wobei sie allerdings äußerlich Brot und Wein bleiben. Wegen der Gefahr, etwas vom Blut Christi zu verschütten, trinkt deshalb auch nur der Priester vom gewandelten Wein, die Gemeinde erhält den gewandelten Leib in Form der Hostie. Die übrigbleibenden Elemente werden deshalb auch im verschlossenen Tabernakel aufbewahrt.
(s. auch hier)


Trinität, trinitarisch lat. (nach Hauck/Schwinge): Dreifaltigkeit (Gottes als Vater, Sohn und Hl. Geist); -> immanente Tr., Dreifaltigkeit als innergöttl. Verhältnis; der Sohn u. der Geist sind gleichewig u. »gleichen Wesens mit dem Vater« (-> Homousie; kirchl. Lehre seit Nicäa 325 u. Konstantinopel 381, -> Nicaeno-Constantinopolitanum).


Tritheismus gr.: Glaube an drei Gottheiten als Auflösung der Dreieinigkeit / Dreifaltigkeit.


Una Sancta lat.: Kurzform der Eigenbezeichnung der katholischen Kirche als 'Una Sancta catholica et apostolica ecclesia' (eine, heilige, katholische und apostolische Kirche). Una Sancta war auch der Name einer nach 1945 in der katholischen Kirche aufgekommenen ökumenischen Bewegung.


VELKD: Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland.


Weltgericht – Matthäus 25,31-46, Bibeltext in der revidierten Fassung von 1984

Vom Weltgericht
»31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit.
32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,
33 und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken.
34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!
35 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt zu essen gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.
36 Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.
37 Dann werden die Gerechten antworten und sagen: Herr wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?
38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? oder nackt und haben dich gekleidet?
39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
41 Dann wird er auch sagen zu denen zu seiner Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!
42 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.
43 Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.
44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?
45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.«


Die ZEHN GEBOTE (gr. Dekalog) aus dem Ev. Gesangbuch, Nr. 806 DER KLEINE KATECHISMUS Dr. Martin Luthers (1483-1546):

DAS ERSTE GEBOT

Ich bin der Herr, dein Gott.
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. 

DAS ZWEITE GEBOT

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes,
nicht unnütz gebrauchen;
denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen,
der seinen Namen missbraucht.

DAS DRITTE GEBOT

Du sollst den Feiertag heiligen.

DAS VIERTE GEBOT

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren,
auf dass dir's wohlgehe
und du lange lebest auf Erden.

DAS FÜNFTE GEBOT

Du sollst nicht töten.

DAS SECHSTE GEBOT 

Du sollst nicht ehebrechen.

DAS SIEBENTE GEBOT

Du sollst nicht stehlen.

DAS ACHTE GEBOT

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen
Nächsten.

DAS NEUNTE GEBOT

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

DAS ZEHNTE GEBOT

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib,
Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.

WAS SAGT NUN GOTT
ZU DIESEN GEBOTEN ALLEN?

Er sagt so:
Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott,
der an denen, die mich hassen,
die Sünden der Väter heimsucht
bis zu den Kindern im dritten und vierten Glied;
aber denen, die mich lieben und meine Gebote halten,
tue ich wohl bis in tausend Glied.

Was ist das?

Gott droht zu strafen alle, die diese Gebote
übertreten;
darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn
und nicht gegen seine Gebote handeln.
Er verheißt aber Gnade und alles Gute
allen, dies diese gebote halten;
darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen
und gerne tun nach seinen Geboten.

Anmerkungen
- Die Erklärungen Luthers ("Was ist das?") zu den einzelnen Geboten wurden weggelassen.
- Hervorhebungen im Luther-Text stammen vom Autor der Site.
- Die ZEHN GEBOTE sind im ALTEN TESTAMENT in zwei Versionen enthalten. Die ältere Version befindet sich im 2. Mose 20,2-17. Sie ist die Grundlage des KLEINEN KATECHISMUS Martin Luthers. Die zweite Version findet man im 5. Mose 5,6-21.
- Beide Versionen stimmen inhaltlich weitgehend überein, unterscheiden sich jedoch in einigen Formulierungen. Interessant ist, dass des »Nächsten Weib« in der jüngeren Version den Platz mit des »Nächsten Haus« tauscht und so ein eigenes Gebot erhält (das neunte). Es wurde damit wohl zu einer Sache höherer Qualität aufgewertet(?) Luther wählte die erste Version und fand (noch) nichts dabei, das »Weib« als Sache unter anderen Sachen (minderer Qualität) einzuordnen.
- Bei der Zählung der Gebote orientierte sich Luther an Origines (185-254?) und Augustinus (354-430).

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